Insights von Barbara DʼEmilio

Was Kunden wirklich kaufen – und warum Soft Skills zum Wettbewerbsfaktor werden

Die Automobilbranche investiert derzeit massiv in Digitalisierung, künstliche Intelligenz und neue Vertriebskonzepte. Das ist richtig und notwendig. Gleichzeitig beobachten wir jedoch eine Entwicklung, die in vielen Strategiediskussionen erstaunlich wenig Aufmerksamkeit erhält.

Die entscheidenden Unterschiede entstehen häufig nicht durch Technologie.

Sie entstehen im persönlichen Kontakt.

Was Kunden wirklich kaufen – und warum Soft Skills zum Wettbewerbsfaktor werden


Die Automobilbranche investiert derzeit massiv in Digitalisierung, künstliche Intelligenz und neue Vertriebskonzepte. Das ist richtig und notwendig. Gleichzeitig beobachten wir jedoch eine Entwicklung, die in vielen Strategiediskussionen erstaunlich wenig Aufmerksamkeit erhält.

Die entscheidenden Unterschiede entstehen häufig nicht durch Technologie.

Sie entstehen im persönlichen Kontakt.


Kunden kaufen keine Fahrzeuge. Sie kaufen Vertrauen.

Ein Autokauf gehört für viele Menschen zu den größten Konsumentscheidungen ihres Lebens. Es geht um erhebliche finanzielle Investitionen, langfristige Bindungen und oftmals auch um Emotionen, Identität und Sicherheit.

Deshalb bewerten Kundinnen und Kunden ihre Erfahrung nicht ausschließlich anhand technischer Fakten oder attraktiver Konditionen. Sie erinnern sich vor allem daran, wie sie während ihrer gesamten Journey behandelt wurden.

Fühlte ich mich ernst genommen?

Hat mir jemand wirklich zugehört?

Wurde transparent kommuniziert, wenn etwas nicht nach Plan lief?

Diese Fragen entscheiden oft stärker über Loyalität als Produktmerkmale selbst.


Die Daten bestätigen dieses Bild

Eine aktuelle Auswertung von 28.486 authentischen Kundenbewertungen aus deutschen Autohäusern zeigt ein eindeutiges Muster. Die wichtigsten Treiber für Kundenzufriedenheit sind nicht Preis oder Fahrzeugausstattung.

Ganz vorne stehen:

  • Freundlichkeit
  • Verlässlichkeit
  • Beratungskompetenz

Diese Faktoren ziehen sich durch Neuwagenverkauf, Gebrauchtwagengeschäft und Service gleichermaßen. Kunden schätzen kompetente Beratung. Sie erwarten vor allem Verlässlichkeit und das Gefühl, als Mensch wahrgenommen zu werden.


Das eigentliche Problem ist selten technischer Natur

In Gesprächen mit Herstellern, Importeuren und Händlerorganisationen begegnen uns immer wieder ähnliche Situationen.

Ein zugesagter Rückruf bleibt aus.

Ein Angebot kommt deutlich später als versprochen.

Lieferverzögerungen werden nicht erklärt.

Ein Kunde wartet trotz vereinbartem Termin.

Jeder dieser Momente wirkt für sich betrachtet klein.

In der Summe prägen genau diese Erlebnisse jedoch die Wahrnehmung einer Marke.

Bemerkenswert ist dabei: Kaum einer dieser Fälle entsteht durch mangelnde Produktqualität. Fast immer geht es um Kommunikation, Erwartungsmanagement und zwischenmenschliches Verhalten.


Das Empathie-Paradox

Diese Beobachtung beschränkt sich nicht auf Automotive.

Auf dem diesjährigen Forrester CX Summit wurde eine Entwicklung vorgestellt, die branchenübergreifend relevant ist: 84 Prozent der Kundinnen und Kunden sagen, dass Empathie für sie wichtig ist. Gleichzeitig erleben nur 63 Prozent diese Empathie tatsächlich. Die Lücke beträgt 21 Prozentpunkte. Auch die KPMG Customer Experience Excellence Studie kommt seit Jahren zu einem ähnlichen Ergebnis: Empathie bleibt einer der am schwächsten bewerteten Faktoren der Customer Experience.

Gerade weil Empathie vielerorts fehlt, entwickelt sie sich zunehmend zum Differenzierungsmerkmal.


Warum Soft Skills schwieriger sind als Fachwissen

Produktwissen lässt sich vermitteln.

Prozesse lassen sich dokumentieren.

Leitfäden lassen sich lesen.

Soft Skills funktionieren anders.

Sie zeigen sich genau dann, wenn Situationen komplex werden: wenn ein Kunde verärgert ist, wenn Liefertermine nicht eingehalten werden können oder wenn mehrere Aufgaben gleichzeitig Aufmerksamkeit verlangen.

Dann entscheidet sich, ob Mitarbeitende aktiv zuhören, verständlich kommunizieren und Vertrauen schaffen.

Deshalb reichen einmalige Schulungen allein selten aus. Soft Skills entstehen durch kontinuierliches Üben, Feedback und eine Führungskultur, die kundenorientiertes Verhalten sichtbar macht und konsequent vorlebt.


Kundenfeedback ist mehr als eine Kennzahl

Viele Unternehmen verfügen heute über umfangreiche Customer-Experience-Daten.

Die eigentliche Chance liegt jedoch nicht allein im Reporting.

Qualitative Kundenkommentare zeigen sehr konkret, an welchen Stellen Prozesse funktionieren  und an welchen Momenten Kunden Vertrauen verlieren.

Wer diese Rückmeldungen regelmäßig mit Teams reflektiert, erkennt Muster früher und schafft kontinuierliche Lernprozesse.

Kundenfeedback wird damit vom Reporting-Instrument zum Führungsinstrument.


Jeder Kontakt zahlt auf die Marke ein

Customer Experience entsteht nicht an einem einzelnen Touchpoint.

Sie entsteht in jedem Gespräch.

Bei jedem Rückruf.

Bei jeder Terminvereinbarung.

Bei jeder Fahrzeugübergabe.

Am Ende erinnern sich Menschen selten an einzelne Produktdetails. Sie erinnern sich daran, wie sie sich während ihrer Entscheidung gefühlt haben.

Gerade in einem Markt, in dem Fahrzeuge technologisch immer vergleichbarer werden, gewinnt genau diese Erfahrung an Bedeutung.

Vielleicht ist das deshalb die wichtigste Erkenntnis:

Kunden kaufen kein Auto.

Sie kaufen Vertrauen in eine Entscheidung.

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