Automobil
CX
Insights von Barbara DʼEmilio
Die entscheidenden Herausforderungen für die Customer Experience entstehen zunehmend nach dem Fahrzeugkauf. Kunden bewerten heute nicht mehr nur das Fahrzeug selbst. Sie bewerten das Ladeerlebnis, digitale Fahrzeugfunktionen und den Übergang zwischen Online-Kontakt und persönlicher Beratung. Genau dort entscheidet sich, ob Vertrauen entsteht - und ob Loyalität erhalten bleibt.
Drei Entwicklungen prägen diese Veränderung derzeit besonders: die wachsende Bedeutung der Ownership-Phase, das Vertrauen in Connected Services und die nahtlose Verbindung zwischen digitalen und persönlichen Kontaktpunkten. Gleichzeitig spiegeln sich diese Themen immer häufiger in Ausschreibungen und strategischen CX-Initiativen wider.

CX im Automotive-Sektor 2026: Ownership, Vertrauen und die letzte Meile
Die entscheidenden Herausforderungen für die Customer Experience entstehen zunehmend nach dem Fahrzeugkauf. Kunden bewerten heute nicht mehr nur das Fahrzeug selbst. Sie bewerten das Ladeerlebnis, digitale Fahrzeugfunktionen und den Übergang zwischen Online-Kontakt und persönlicher Beratung. Genau dort entscheidet sich, ob Vertrauen entsteht - und ob Loyalität erhalten bleibt.
Drei Entwicklungen prägen diese Veränderung derzeit besonders: die wachsende Bedeutung der Ownership-Phase, das Vertrauen in Connected Services und die nahtlose Verbindung zwischen digitalen und persönlichen Kontaktpunkten. Gleichzeitig spiegeln sich diese Themen immer häufiger in Ausschreibungen und strategischen CX-Initiativen wider.
1. Automotive-Realität: EV-Ownership nach dem Hype
2026 zeigt sich ein klarer Stimmungswandel: Gespräche über Elektrofahrzeuge drehen sich weniger um Innovation und mehr um Alltagstauglichkeit. Bei der EV-Ownership treten Reibungspunkte deutlich hervor – insbesondere Frust über Ladeinfrastruktur außerhalb urbaner Gebiete, lange Reparaturwartezeiten und unklare Kommunikation im Kundenservice.
Für CX-Programme im OEM-Umfeld heißt das: Der Fokus verschiebt sich von der Kaufphase auf die Ownership-Phase – Service-Transparenz, Reparaturkommunikation und Ladeerlebnis werden zu den entscheidenden Loyalitätsfaktoren.
Praktisch bedeutet das für Touchpoint-Programme: Die Ownership-Phase verdient mindestens so viel Messaufmerksamkeit wie der Verkaufsabschluss. Wer EV-Besitzer erst beim nächsten Kaufzyklus wieder befragt, verpasst genau die Phase, in der sich Loyalität entscheidet oder zerbricht.
Ein blinder Fleck bleibt dabei die Ladeinfrastruktur: Der Frust darüber entsteht typischerweise nicht am Autohaus oder in der Werkstatt, sondern unterwegs an öffentlichen Ladesäulen – also außerhalb jedes Touchpoints, an dem eine klassische Service-Befragung ausgelöst würde. Sichtbar wird dieses Signal deshalb vor allem dort, wo Kunden ungefragt Dampf ablassen: in Google Reviews, in Social Media. Für CX-Programme heißt das, strukturierte Befragungen gezielt um Social Listening und Review-Mining zu ergänzen, statt sich auf die eigenen Touchpoints zu verlassen.
Der Effekt ist dabei keineswegs nur ein Zufriedenheitsthema, sondern wirkt direkt auf das Kaufverhalten: Die Unzufriedenheit mit dem öffentlichen Laden treibt einer Analyse von Strategic Vision zufolge 25% der EV-Besitzer zurück zum Verbrenner beim nächsten Kauf. Auch McKinsey-Umfragedaten zeigen, dass Ladegeschwindigkeit und Netzverfügbarkeit zu den stärksten Hebeln zählen, um Kaufentscheidungen zugunsten eines E-Fahrzeugs zu beeinflussen. Ladeinfrastruktur-Feedback ist damit nicht nur ein Service-Thema, sondern ein Frühindikator für Abwanderung beim nächsten Fahrzeugkauf.
Quelle: Brandwatch – Consumer Trends Shaping the Automotive Industry in 2026
2. Vertrauen als Währung: Connected Services & OTA-Updates
Kunden zeigen die höchste Zahlungsbereitschaft für sicherheitsrelevante vernetzte Dienste wie Notfallassistenz, automatische Unfallerkennung und Diebstahlsicherung. Gleichzeitig lösen Daten aus vernetzten Geräten, In-Cabin-Kameras und Standortdaten die größten Bedenken aus – ein deutliches Signal für den Bedarf an mehr Transparenz bei Connected Services.
Positiv: Viele Kunden würden ihr Fahrzeug ein bis drei Jahre länger behalten, wenn es regelmäßige Over-the-Air-Updates mit neuen Funktionen erhält. Software-Updates werden damit zu einem messbaren Loyalitätshebel – vorausgesetzt, das Vertrauen in den Umgang mit Fahrzeugdaten stimmt.
Für CX-Programme heißt das konkret: Fragen zu Datentransparenz und -kontrolle gehören in die Journey-Befragung nach Kauf und Software-Update – nicht nur die klassische Zufriedenheit mit der neuen Funktion, sondern auch das Gefühl von Kontrolle über die eigenen Fahrzeugdaten.
Quelle: Deloitte – 2026 Global Automotive Consumer Study
Am Rande: Der Markt für Feedback- und CX-Software durchläuft aktuell eine der bewegtesten Konsolidierungsphasen seit Jahren – mehrere große Anbieter sind innerhalb weniger Monate fusioniert oder haben den Eigentümer gewechselt. Für Automotive-Kunden mit sehr spezifischen Anforderungen (Händlernetz-Feedback, Werksservice, Konzernmarken-Differenzierung) lohnt sich in dieser Phase ein zweiter Blick darauf, welcher Partner die nötige Branchentiefe und Kontinuität mitbringt – unabhängig von der Größe.
3. Die letzte Meile im Handel: Digital-physische Reibung
Kunden erwarten von Autohäusern keine E-Commerce-Plattform, sondern einen kompetenten Servicebetrieb: einen, der ans Telefon geht, sich an den Kunden erinnert und ihn nicht bei jedem Kanalwechsel neu anfangen lässt. Ein Kunde, der online ein Inzahlungnahme-Formular ausfüllt und dem Verkäufer am Telefon alles erneut erklären muss, hat kein echtes Omnichannel-Erlebnis – sondern zwei getrennte Systeme.
Für Händlernetz-CX-Programme bleibt die Verbindung von digitalem Erstkontakt und physischer Beratung der entscheidende Hebel gegen Kundenabwanderung.
Quelle: Flai – Automotive Customer Experience Trends for Dealers (2026)
Fazit für Ihr CX-Programm
● Die Ownership-Phase – Service, Reparatur, Laden – entscheidet zunehmend über Loyalität, nicht nur der Kauf.
● Transparenz bei Fahrzeugdaten ist Voraussetzung, um das Loyalitätspotenzial von Connected Services und OTA-Updates zu heben.
● Nahtlose Übergänge zwischen digitalem und persönlichem Kontakt bleiben die größte Hürde im Handel.
● In einem konsolidierenden Software-Markt gewinnt Branchentiefe an Bedeutung – für Ihre Wahl des CX-Partners.
Autor:
Barbara D'Emilio
Customer Experience Management
Automotive




